Brasilianische Schülergruppe war zu Gast in Schweinfurt – Empfang durch den Oberbürgermeister – Das Trauma ist noch nicht vorüber

Brasilianische und deutsche Schüler auf der Rathaustreppe.
 
Die brasilianischen Austauschschüler (v.li.): Lucas, Isabella und Ada,zusammen mit SAZ-Reporterin Eugenia Morlang.
Schweinfurt (em) – Schüleraustausch ist ein beliebtes Mittel der Völkerverständigung. Neben den Besuchen aus den Partnerstädten empfangen Schweinfurter Schulen auch gleichaltrige aus allen Teilen der Welt, so wie zuletzt aus Brasilien.
Eine 23-köpfige Abordnung der deutschen Schule „Escola Alema Corcovado“ aus dem brasilianischen Rio de Janeiro war zuletzt auf Einladung des Jack-Steinberger-Gymnasiums und ihrer Partnerschule Walther-Rathenau-Gymnasium da. Diese Austausche finden bereits seit mehr als 10 Jahren statt. Dabei stand auch ein Besuch in Schweinfurt auf dem Programm. Oberbürgermeister Sebastian Remele begrüßte die Schüler im Rathaus. Er wies auf hervorragende Studienmöglichkeiten in Schweinfurt hin, welche die Stadt als Industriestandort biete. Gleichzeitig lud er die Schülerinnen und Schüler aus Brasilien ein, doch von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Der Oberbürgermeister erklärte den 13 bis 14-jährigen Schülern auch die deutsche Landesstruktur, die noch stark vom breitflächigem Leben auf dem Land geprägt sei. So gebe es hier auch abseits der großen Städte viele Kulturgüter und anderes zu entdecken. Dies sei ganz anders als in Brasilien, wo das Leben stark auf die Metropolen zugespitzt ist.
Aber auch die Schüler kamen auf Anfrage dieser Zeitung zu Wort. Es sei in Deutschland viel wärmer, als man in Brasilien glaubt, antwortete Ada (13). Auf Postkartenmotiven sind häufig schneebedeckte Berge zu sehen. So einen schönen Strand wie an der Copacabana gebe es allerdings nicht. Sehr gut gefallen ihr hingegen die vielen Radwege. „Ich fahre sehr gerne mit dem Fahrrad, da ist das hier fast wie im Paradies. In Brasilien muss man hingegen immer auf die Autofahrer aufpassen“.
Isabella (13) sind die Häuser aufgefallen. Denn in Deutschland, gerade in kleineren Städten wie Schweinfurt, sind ganz große Hochhäuser fast schon eine Seltenheit. Auch die in sich geschlossenen kleinen Ortschaften, die einem immer wieder nach ein paar Kilometern Überlandfahrt begegnen findet sie sehr romantisch. Und obwohl diese weit weg von den Zentren sind, seien diese stets sehr ordentlich hergerichtet und aufgeräumt. Schlecht findet sie hingegen, dass nach ihrer Meinung in Deutschland auf der Autobahn sehr schnell gefahren wird. „Das war manches mal wie in einem Science-Fiction-Film gewesen“.
Für den jungen Fußball-Fan Lucas (13) musste natürlich die Frage nach dem angeblichen Trauma Brasiliens, nach der Niederlage bei der Fußball WM gegen Deutschland, gestellt werden. Und tatsächlich wendet er geradezu peinlich berührt den Blick zur Seite: „Ich erinnere mich immer noch als wäre es erst gestern gewesen, es war so schlimm. Selbst unser Olympiasieg hat dieses große Trauma nur ein wenig mildern können“, so Lucas. Er ist einer von mehreren Schülern bei dem Austausch, der auch selber deutsche Wurzeln in sich trägt. Denn er ist zwar gebürtiger Brasilianer, seine Eltern jedoch sind Deutsche und erst kurz vor seiner Geburt nach Brasilien ausgewandert, was auch an Lucas nahezu akzentfreiem Deutsch erkennbar ist. Im Fußball schlägt sein Herz aber ganz klar für Brasilien. Trotz der historischen Niederlage genießen Deutsche in Brasilien ein hohes Ansehen, berichtet er. Und zurzeit gebe es auch in Brasilien viele Oktoberfeste. „In Brasilien wird aber mehr getanzt und weniger getrunken“, meint er schon festgestellt zu haben. In den Zelten gebe es deshalb kaum Sitzplätze, damit mehr Platz zum Tanzen ist.
Die Schweinfurter Schüler wollen im Sommer 2017 zu einem Gegenbesuch nach Rio aufbrechen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.