Asylunterkünfte als neue Goldader?

Die Unterbrungung von Asylanten (so wie hier in den Ledward-Barracks) bereitet der Gesellschaft zunehmend Probleme. Findige Geschäftemacher haben damit aber längst eine neue Goldader entdeckt. (Foto: Wiener)
Die Flüchtlingsströme reißen nicht mehr ab und deren menschenwürdige Unterbringung stellt die Gesellschaft zunehmend vor Probleme. Gleichzeitig scheint die neue Situation auch findige Geschäftemacher auf den Plan zu rufen. Markus Gildner, Immobilienunternehmer und Entwickler des innovativen Wohnkonzepts für Flüchtlinge „The Peoples Project“ in Eckental / Mittelfranken spricht von einer regelrechten Flüchtlings-Industrie. Traumhafte Renditen von bis zu 20% pro Jahr werden häufig versprochen. Nach Ost-Immobilienboom in den 1990er Jahren, dem Aktienboom zu Beginn der 2000er Jahre und dem Energiewendeboom nach Fukushima scheint sich nun eine neue - vermeintliche - Goldader aufzutun.
Markus Gildner listet die Herausforderungen für seriöse Geschäftsleute auf, die sich der Herausforderung stellen wollen. Er setzt auf Nachhaltigkeit, plant solide gebaute Unterkünfte, die auch anderen Zwecken in der Zukunft dienen könnten, denn er glaubt nicht unbedingt, dass alle Flüchtlinge auf ewig in Deutschland bleiben wollen. Und wenn doch, dann werden sie irgendwann einmal als ganz normale Mieter in den Unterkünften wohnen.
Die Flüchtlingsunterbringung erfolgt laut Gildner staatlicherseits bislang nach zwei Vertragsmustern - dem Beherbergungsvertrag oder dem sog. Wohnraumüberlassungsvertrag. Die vermeintlich attraktiven Kopfpauschalen des Beherbergungsvertrags von bis zu 30 Euro oder mehr pro Tag geraten nach Gildners Erfahrungen schnell zum wirtschaftlichen Albtraum. Denn das komplette Unterbringungs- und Versorgungsrisiko liegt beim Betreiber. Die Nebenkosten, der Energieverbrauch und die Aufwendungen für Reparaturen und Instandhaltung können zudem erheblich sein.
Außerdem fallen bei Beherbergungsverträgen mit bis zu 6 Monaten Laufzeit und auf Zusatzleistungen Mehrwertsteuer an, welche von den 30 Euro Kopfpauschale in Abzug zu bringen ist. Eine Tatsache, welche nicht jedem Vermieter bewusst ist und zur Steuerhinterziehung führen kann, so Gildner weiter. So liege natürlich die Verlockung nahe, die Kopfpauschale so einzusetzen, dass möglichst viel davon für den Betreiber übrig bleibt. Dass dies zu Lasten des Asylsuchenden geht, liegt auf der Hand.
Der interessierte Investor sollte deshalb unbedingt auf soliden finanziellen Beinen stehen, denn unvorhersehbare Belastungen können ein Projekt zum Scheitern bringen. Banken sind bei Flüchtlingsprojekten noch zurückhaltender als bei üblichen Kreditvergaben.
Eine Baugenehmigung bzw. ein Bestandsgebäude ist nach Gildners Ausführungen noch kein Garant für die Zulässigkeit der Unterbringung von Flüchtlingen. Das Gesetz hat die Unterkunft für Asylbewerber (noch) nicht einer eindeutigen Nutzungsart zugeordnet. Demzufolge entscheiden die Verwaltungsgerichte bei Drittklagen höchst individuell nach Sachlage.
Wird ein Neubau oder die Umwidmung eines Bestandsbaus zur Asylbewerberunterkunft geplant, ist auf jeden Fall ein Bauantrag notwendig. Je nach architektonischem Konzept ist unter Umständen von einem Sonderbau eines Wohnheims auszugehen, der nicht in allen Gebieten zulässig ist.
Betreiber von Flüchtlingsunterkünften stehen im Zentrum lokaler Presseberichterstattung und in vielfacher Kritik durch verängstigte Anwohner und politischer Profiteure, die das Projekt verhindern wollen. Das geht von Diskussionen am Bauzaun über Eingaben und Petitionen an die Politikprominenz bis hin zu Klagen vor Verwaltungs- und Zivilgerichten.
Gildner wirbt deshalb für Nachhaltigkeit. Nur mit Wohnraum nach ganz normalen deutschen Standards ist eine sichere Belegung über Jahrzehnte gesichert. Und menschenwürdig ist die Unterbringung darüber hinaus allemal. Nur so profitieren Vermieter und Mieter gleichermaßen.
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