Aktueller Polizeireport unterucht die aktuelle Flüchtlingslage in Schweinfurt und Umgebung – „Es wird nichts unter den Teppich gekehrt“

Schweinfurt (red). Unter dem Namen „Mit Sicherheit in Schweinfurt“ hat die Polizeiinspektion zum Jahresende einen Report veröffentlicht, der sich insbesondere mit der täglichen Arbeit im Umgang mit Flüchtlingen in der Stadt auseinander setzt.
Demnach habe die Polizei bereits Mitte/Ende 2014 erkannt, dass immer mehr Flüchtlinge den Grenzen und an den Autobahnen und in den Zügen aufgegriffen werden. Als dann Ende 2014 die ersten Lkws und Busse auf der A7 im Dienstbereich der Schweinfurter Polizei aufgegriffen wurden, wurde ein Notfallplan aufgestellt. Dabei musste schnell festgestellt werden, dass ein Bus voll mit Menschen nicht so ohne weiteres bei der Polizei aufgenommen werden kann.
Glücklicherweise seien aber die Gebäude in den Ledward Barracks noch vor der ersten großen Flüchtlingswelle so weit in Stand gesetzt worden, dass die Asylsuchenden sofort dort aufgenommen und versorgt werden konnten. Vor Ort haben Schweinfurter Polizeiberamte sich die Situation in Zirndorf angesehen, später auch in München und Deggendorf. Dieses Wissen sollte auch in die bewältigung der Schweinfurter Aufgaben mit einfließen.
Der Polizeireport berichtet durchaus auch von Ängsten, z. B. dass sich Beamte beim Kontakt mit den Asylsuchenden mit ansteckenden Krankheiten zu infizieren und dies dann mit nach Hause in die eigenen Familien zu nehmen. Fachärzten hätten aber Entwarnung gegeben. Zudem wurden entsprechende Hygieneausrüstungen beschafft. Hier habe sich wieder einmal bewahrheitet, dass man durch Aufklärung einfach wirklich viel an unnötigen Ängsten und Sorgen nehmen kann.
Immer wieder habe es auch Brandmeldealarme gegeben, weil die Bewohner der Aufnahmeeinrichtung versuchten, ihre PET-Wasserflaschen unmittelbar auf dem Herd zu erwärmen. Der Kunststoff schmolz und es rauchte gewaltig. Das rief Feuerwehr und Polizei auf den Plan. Auch das Alarmverhalten sei bei Flüchtlingen ein anderes. Während es hierzulande bekannt ist, bei Brandalarm ins Freie zu gehen, rannten die Asylbewerber im Alarmfall in die Gebäude, da sie schreckliche Angst vor Bomben und einem Kugelhagel hatten.
Der Report räumt auch noch einmal mit dem falschen Vorurteil auf, dass Asylbewerber nach einem Ladendiebstahl nicht zur Anzeige gebracht wurden, sondern dass das Landratsamt den Schaden übernommen hätte. Andere wollten von schlimmsten Straftaten in Schweinfurt gehört haben, die von Polizei und natürlich von der „Presse“ angeblich verschwiegen werden. Die Polizei betont in ihrem Report, dass jede Straftat ohne Ansehen der Person, Herkunft, Nationalität, Geschlecht, Religion oder Sonstigem verfolgt wird. Und auch das Landratsamt übernimmt natürlich nicht den Schaden, wenn jemand stiehlt. Das war und ist alles grober Unfug.
Dann gab es auch Bürgerinnen und Bürger, die haben den Flüchtlingen „vorgeworfen“, dass sie teure Markenkleidung tragen oder eine Handy besitzen. Wenn also jemand eine Markenhemd oder eine schöne Hose in die Altkleidersammlung gegeben hat, um damit etwas Gutes zu tun, dann wurde dies von den fleißigen Helferinnen und Helfern der Kleiderkammer sehr zügig den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt.
Aktuell sind nur wenige hundert Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Alle Abläufe seien eingespielt und funktionieren, so der Polizeireport weiter. Auch strafrechtlich hat sich alles in etwa so entwickelt, wie es von der Polizei erwartet wurde. Von einer grundsätzlichen Gefahr für die Bevölkerung könne absolut keine Rede sein. Die überwiegende Mehrheit der Asylbewerber sei laut den Erfahrungen der Polizei froh und dankbar, dass sie bei uns eine Obhut gefunden haben und nicht mehr von Krieg und Hunger ihr Leben bedroht sehen. Insbesondere die Kinder, die in Schweinfurt in dem letzten Jahr fast ein Drittel der Flüchtlinge ausmachten, blühen hier wieder auf. Dennoch verhelt der Polizeireport nicht, dass es immer wieder einzelne Straftäter gebe, die sich unter die Asylbewerber mischen. Er verschweigt auch nicht, dass durchaus manchensmal der Eindruck entstehe, dass „Asyl“ nur ein Deckmäntelchen darstelle. Trotzdem würden die „zehn Gebote“ – wenn auch in teils leicht abgewandelter Form – nahezu in jeder Gesellschaft gelten. Auch in den Nachbarstaaten und -kontinenten darf man nicht stehlen oder morden.
Sogenannte Intensivtäter, also Asylbewerber die in sehr kurzer Zeit vorsätzlich viele Straftaten begehen, werden seitens der Polizei schnell durch das Asylverfahren geführt und wenn möglich zur Ausreise verpflichtet oder in die Heimat zurückverwiesen.
Aktuell befasst sich die Schweinfurter Polizei mit einer kleineren Gruppierung junger Männer, die offensichtlich „Mein und Dein“ nicht so richtig unterscheiden wollen. Diesen Personen wurden schon mehrere Diebstähle nachgewiesen, sie wurden erkennungsdienstlich behandelt und ihnen eine DNA-Probe entnommen. Ihnen sollte klar sein: entweder sie hören auf mit der Begehung weiterer Straftaten oder sie sitzen demnächst hinter Gittern.
Derzeit sind schon über 20.000 Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Schweinfurt registriert. Die wenigen Straftäter darunter begehen laut dem Polizeireportüberwiegend einfache Diebstahlsdelikte, wie Ladendiebstahl. Auch gab es in den Unterkünften unter den jungen Männern immer wieder körperliche Auseinandersetzungen. Aufgrund dieser Delkikte wird in der Jahresstatistik nach Jahren des Rückgangs wieder eine etwas höhere Zahl ausgewiesen werden. Da werde auch nichts unter den Teppich gekehrt.
Kritik übt der Report aber an „manche Stellen“, die dem Report zur Folge doch sehr uninformiert über die Lage waren. Da gebe es laut dem Report „in Deutschland ein Ministerium, das u. a. zur Aufgabe hat, regelmäßig die Flüchtlingsentwicklung weltweit zu beobachten“. Dessen Aufgabe sei es die Lage ständig zu analysieren und die Entscheidungsträger zu beraten. Dieses Ministerium habe auch Zugriff auf die Daten diverser universitärer Einrichtungen und internationaler Organisationen, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht haben, sich mit den Krisenherden auf unserer Erde und den damit verbundenen Flüchtlingsströmen zu befassen. Von dort habe es im Vorfeld keinerlei entsprechende Informationen gegeben, was der Report dann für „sehr bedenklich“ einstuft. Mit etwas Vorlauf hätten sich alle Beteiligten wesentlich leichter formieren können. Da hätten dann in Konsequenz weniger Menschen auf dem Erdboden schlafen müssen und man hätte vieles Vereinfachen können.
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