Neujahrsempfang der Stadt Schweinfurt - Demografische Strukur macht zu schaffen

Neujahrsempfang 2017 in der Schweinfurter Rathausdiele.
  Schweinfurt (el). Einen Gesamtüberblick über die Lage Schweinfurts gewährte Oberbürgermeister Sebastian Remelé den etwa 300 Besuchern in der Rathausdiele beim Neujahrsempfang. Diese ist von langfristigen Entwicklungen ebenso geprägt, wie von Unvorhersehbarkeiten.
Langfristig ist sicher die Bevölkerungsentwicklung zu sehen und die Räume in denen die Schweinfurter leben werden. 1990 lag die Einwohnerzahl Schweinfurts noch bei 56.500 Einwohnern, derzeit sind es rund 52.000 und für 2034 wird der „Break“ unter die 50.000er Marke prognostiziert. Einher geht diese Entwicklung mt einer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten unguten Entwicklung der Altersverteilung. Der Anteil der unter 18-jährigen wird bis dahin um acht Prozent abnehmen und auch bei den bis zu 65-jährigen werden Abnahmen festzustellen sein, während nur der Anteil der über 65-jährigen zunehmen wird, und das mit 19 Prozent sogar überproportional stark. Mehr als die Hälfte der Schweinfurter wird dann im Rentenalter sein. Noch ungünstiger wird sich diese Entwicklung laut Remelés Ausführungen im Landkreis Schweinfurt darstellen. Dort wird der Anteil der über 65-jährigen von derzeit 34 Prozent auf 58 Prozent hochschnellen.
„Gewürzt“ wird diese Betrachtung durch einen immer weiter steigenden Anteil an Ausländern, bzw. Menschen mit ausländischen Wurzeln. Echte Ausländer hatten 1990 einen Anteil von neun Prozent, heute sind es 14,6 Prozent. Gleichzeitig gewachsen ist der Migranten mit deutschen Pass. Dies lässt sich am besten mit einem Blick auf die Schulkinder ablesen. Bei der letzten Erhebung hatten nur noch 34,4 Prozent der Vorschulkinder Eltern, die beide Deutsch als Muttersprache angaben. Der sich somit ergebende Migrationsanteil von 65,6 Prozent liege nach Remelés Ausführungen deutlich über dem bayerischen Durchschnitt und auch noch deutlich über dem der immer als Migrationshochburg wahrgenommenen Stadt Nürnberg.
Unvorhersehbar wiederum sei die Entwicklung von Flüchtlingsströmen, führte der Oberbürgermeister weiter aus. Zwar sei im abgelaufenen Jahr eine gewisse Beruhigung eingekehrt, die Lage in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sei aber nach wie vor alles andere als beruhigend. In der Erstaufnahmeeinrichtung herrsche deshalb weiter erhöhte Bereitschaft. Viele Syrer und Afghanen konnten die Einrichtung inzwischen wieder verlassen. Demnächst wird mit dem Zuzug einer überschaubaren Gruppe aus Somalia und Armenien gerechnet.
Diesen Wandel in den Gesellschaftsstrukturen gelte es verträglich zu gestalten, so Remelé. Ansonsten sei der Bürger überfordert, er bekommt Angst und wendet sich denen zu, die vermeintlich schnelle und gute Lösungen parat hätten. Dabei sind es gerade die guten Lösungen, die häufig auch Zeit benötigen.
Auch die Pläne der Stadt sind oft auf lange Sicht angelegt. Der neue Schulentwicklungsplan reicht bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts. Auch gebe es keine Ewigkeitsgarantie für vier Gymnasien in Schweinfurt.
Die städtebauliche Entwicklung erlebte schon im Februar verganenen Jahres einen Meilenstein mit der Veröffentlichung der Pläne für die Neugestaltung des Ledward-Geländes. Auch der Erwerb der ehemaligen US-Wohnsiedlungen Yorktown-Village, Kessler Field und Askren Manor, gab der Stadt nun Planungshoheit und das Angebot an zuzugs- bzw. einzugswillige Bürger wird gut sein, versprach der Oberbürgermeister. Ein Gewerbepark auf dem Gelände der Conn-Baracks soll ein weiteres gutes Angebot an Gewerbetreibende werden.
Zur Lebensqualität gehöre aber auch ein florierender innerstädtischer Handel, führte der Oberbürgermeister weiter aus. Ausbleibender Nachwuchs in den eigenen Reihen hätten diesen zuletzt ebenso ausgebremst, wie vernachlässigte Investitionen und der Online-Handel. Letztgenannter füge dem Einzelhandel derzeit Umsatzverluste von 15 Prozent zu, haben Marktforscher ausgerechnet, dies aber bei weiter steigender Tendenz. Auf Verkaufsfläche in Schweinfurt umgerechnet sei das ein Verlust von 21.000 qm. Fakt sei aber auch, dass es derzeit noch alleine in der Innenstadt 70.000 qm Verkaufsfläche gebe, die jährlich 210 Mio. Euro Umsatz erzielt. Trotzdem habe die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Stärken und Schwächen zu analysieren. Zudem wird am 1. März eine City-Managerin ihre Arbeit aufnehmen, um auch in direkten Gesprächen Verbesserungen herbei zu führen.
Baulich wird die Innenstadt mit der Fertigstellung des Krönlein Areals und des Kulturforums am Martin-Luther-Platz an Aufwertung gewinnen.

Alle Bilder: Rudi Merkl
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