(Fast) barrierefrei durch Berlin

(Foto: Offene BehindertenArbeit des Diakonischen Werkes Schweinfurt e.V.)
 
(Foto: Offene BehindertenArbeit des Diakonischen Werkes Schweinfurt e.V.)
Den Bildungsbereich in der Offenen BehindertenArbeit (OBA) der Diakonie Schweinfurt gibt es schon seit über 30 Jahren. Unter dem Aspekt des Lebensorientierten Lernens bietet die OBA eine Kunst- sowie eine Papier- und Kreativwerkstatt, zwei Zauberharfen-, eine Zeitungs-und die Theatergruppe „Hut Ab“ sowie zahlreiche Neigungsgruppen an. In diesen können sich Menschen mit Behinderung –je nach ihren Neigungen und Fähigkeiten- weiterbilden. Ein Gruppe der OBA machte vor kurzem eine Bildungsreise in die Bundeshauptstadt Berlin, wo inzwischen 3,6 Millionen Menschen leben, Tendenz steigend. Auf Einladung von CSU-Bundestags- und Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber reisten 12 Menschen mit Behinderung, davon eine Rollstuhlfahrerin, mit 6 Assistent/-innen (5 davon ehrenamtlich) unter der Leitung von OBA-Leiter Reinhold Stiller für 5 Tage nach Berlin. Seit 1990 ist die OBA immer wieder mit Gruppen in Berlin. Seit dieser Zeit hat sich die Barrierefreiheit immer mehr zum Positiven verändert. Man erlebte nur einmal, dass ein Aufzug defekt war und mit dem Rollstuhl die Rolltreppe benutzen musste. Auch die sehr zentral gelegene Unterkunft in der Nähe des Hauptbahnhofes war barrierefrei und ideal für das Bildungsprogramm, das Politica Reisen Potsdam in Zusammenarbeit mit der OBA zusammengestellt hatte.
Den Auftakt machte eine 2-stündige Stadtrundfahrt mit „Reise mobil“, wo man Berlin als eine grüne Stadt erlebte. Ein Drittel sind Wälder, Parkanlagen, Kleingärten, Sportanlagen und Friedhöfe. Man sah viele Sehenswürdigkeiten: Siegessäule, Brandenburger Tor, Reichstag, Schloss Bellevue, Kurfürstendamm, Gedächtniskirche, KaDeWe, Philharmonie, ein Stück ehemaliger Berliner Mauer, Alexanderplatz mit Weltzeituhr und das Rote Rathaus und erfuhr, dass die Fläche Berlins doppelt so groß ist als Hamburg. Ein Höhepunkt der Reise war eine Führung durch den Plenarsaal im Reichstag wo man Frau Dr. Anja Weisgerber persönlich traf. Sie berichtete den interessierten Gästen wie hier Politik gemacht wird und Gesetze entstehen, aber auch von ihrer parlamentarischen Arbeit, und beantwortete Fragen, u.a. zum aktuellen Thema „Ehe für alle“. Die Gruppe erfuhr, dass in der Bundestagsverwaltung circa 270 Menschen mit Behinderung arbeiten. Bei 3.000 Mitarbeitern ist das ein Anteil von 9 %. Fasziniert waren alle von der Begehung der Glaskuppel, die einen fantastischen Ausblick auf Berlin bietet. Dieser wurde am nächsten Tag nochmals getoppt, als man auf den Panorama-Turm am Potsdamer Platz fuhr. Mit dem schnellsten Aufzug Europas ging es in sekundenschnelle auf die Aussichtsplattform im 24. Stock – über den Dächern von Berlin. Ein weiterer Höhepunkt war das Durchschreiten des Brandenburger Tores und die Besichtigung des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Hohen-schönhausen. Neben einem Einführungsfilm war die Führung besonders erlebnisreich, informativ und authentisch, weil die Person die die OBA-Gruppe führte, selbst 1 Jahr lang hier inhaftiert war und viele Details aus dem Häftlingsalltag zu berichten wusste. Zum Abschluss besuchte die Gruppe das „Rote Rathaus“, dem Sitz des Berliner Oberbürgermeisters Michael Müller, und die heutige Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“. Hier besprachen am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Reichsministerien die Kooperation bei der geplanten Deportation und Ermordung der europäischen Juden. Eine eineinhalb stündige Schifffahrt auf der Spree beschloss die mehrtägige Bildungsreise, bevor der Jahrhundertregen einsetzte. An diesen werden alle noch lange denken, weil Straßen und U-Bahnstationen unter Wasser standen sowie die geplante Step-Tanz-Show der australischen Gruppe „The Tap Pack“ im Tipi am Kanzleramt leider ausfiel, weil man wegen des starken Regens das Tipi nicht erreichen konnte. Trotzdem viel das Gesamtfazit aller Beteiligten positiv aus: eine interessante Bildungsfahrt! Alle waren sich einig: Nur viel zu kurz! Weil es ja noch so viel anderes Sehenswürdige in Berlin zu bestaunen gibt. Das heißt: einfach wiederkommen, denn Berlin ist (immer) eine Reise wert!
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